Die Gewindesteigung P ist der axiale Abstand zwischen zwei benachbarten Gewindegängen und beschreibt ein metrisches Gewinde neben dem Außendurchmesser eindeutig. Dieser Beitrag stellt die Steigungen für metrisches Regel- und Feingewinde nach DIN 13 tabellarisch zusammen und erklärt, wie man die richtige Steigung auswählt und misst. Kernlochbohrungen, Anzugsmomente und vollständige Toleranzangaben sind eigene Themen und werden hier nur eingeordnet.
Die Steigung beim metrischen Gewinde: Definition und Abgrenzung
Die Gewindesteigung gibt beim metrischen Gewinde den Abstand zweier benachbarter Gewindegänge in Millimetern an und wird nach DIN 13 für jeden Nenndurchmesser festgelegt. Sie trägt das Formelzeichen P und bestimmt zusammen mit dem 60°-Flankenwinkel die Profilgeometrie. Je kleiner die Steigung bei gleichem Durchmesser, desto feiner das Gewinde und desto mehr tragende Gänge liegen auf gleicher Länge.

Den axialen Weg pro Umdrehung beschreibt streng genommen die Ganghöhe, nicht die Steigung. Bei eingängigen Gewinden, dem Normalfall im Maschinenbau, sind beide Werte identisch. Bei mehrgängigen Gewinden ist die Ganghöhe das Produkt aus Steigung und Gangzahl; eine Schraube legt dann pro Umdrehung mehr Weg zurück, als der Flankenabstand vermuten lässt. Wer beide Größen verwechselt, rechnet bei Spindeln und Bewegungsgewinden mit falschen Vorschüben.
Wird die Steigung aus dem Nenndurchmesser geschätzt statt gemessen, gelangen Feingewinde-Teile gelegentlich mit Regelgewinde-Werkzeug in die Fertigung; das Gewinde lässt sich zwar anschneiden, hält aber die geforderte Tragfähigkeit nicht und muss nachgearbeitet werden. Wir prüfen die Steigung deshalb am Muster oder an der Zeichnung, bevor Werkzeug und Kernloch festgelegt werden.
Steigungstabelle für metrisches Regelgewinde (M1 bis M68)
Das metrische Regelgewinde hat je Nenndurchmesser genau eine genormte Steigung, die mit dem Durchmesser ansteigt, von 0,25 mm bei M1 bis 6,0 mm bei M68. Die folgenden Werte nach DIN 13-1 gelten für das Regelgewinde, dessen Bezeichnung ohne Steigungsangabe geschrieben wird, etwa M12.
| Gewinde | Nenndurchmesser D (mm) | Steigung P (mm) |
|---|---|---|
| M1 | 1,0 | 0,25 |
| M1,2 | 1,2 | 0,25 |
| M1,6 | 1,6 | 0,35 |
| M2 | 2,0 | 0,40 |
| M2,5 | 2,5 | 0,45 |
| M3 | 3,0 | 0,50 |
| M4 | 4,0 | 0,70 |
| M5 | 5,0 | 0,80 |
| M6 | 6,0 | 1,00 |
| M8 | 8,0 | 1,25 |
| M10 | 10,0 | 1,50 |
| M12 | 12,0 | 1,75 |
| M14 | 14,0 | 2,00 |
| M16 | 16,0 | 2,00 |
| M18 | 18,0 | 2,50 |
| M20 | 20,0 | 2,50 |
| M22 | 22,0 | 2,50 |
| M24 | 24,0 | 3,00 |
| M27 | 27,0 | 3,00 |
| M30 | 30,0 | 3,50 |
| M33 | 33,0 | 3,50 |
| M36 | 36,0 | 4,00 |
| M39 | 39,0 | 4,00 |
| M42 | 42,0 | 4,50 |
| M45 | 45,0 | 4,50 |
| M48 | 48,0 | 5,00 |
| M52 | 52,0 | 5,00 |
| M56 | 56,0 | 5,50 |
| M60 | 60,0 | 5,50 |
| M64 | 64,0 | 6,00 |
| M68 | 68,0 | 6,00 |
Mit dem Durchmesser wächst die Steigung in festen Stufen, sodass größere Gewinde gröbere Gänge tragen. Die Tabelle zeigt die bevorzugten und häufig verwendeten Größen. DIN 13-1 normt Nenndurchmesser von 1 bis 68 mm samt weiterer Zwischengrößen (2. Wahl nach ISO 261, etwa M1,4, M3,5 oder M7). Vollständige Reihen, Grundmaße und Toleranzen sind über DIN 13, ISO 261, ISO 724 und ISO 965 zu prüfen. Neben der Steigung sind für die Fertigung auch Kernlochbohrung, Toleranzklasse und Werkstoff maßgeblich; die Kernlochmaße führen wir in einer separaten Kernlochtabelle.<!– Interner Link: „separaten Kernlochtabelle“ -> URL nach Veröffentlichung von T01a (Kernlochdurchmesser-Tabelle für metrische Regelgewinde) ergänzen –> In der Fertigung gleichen wir die geforderte Steigung vor dem Anschneiden mit der Gewindebezeichnung der Zeichnung ab, um Werkzeug und Kernlochbohrung korrekt zuzuordnen.
Steigungen für metrisches Feingewinde (MF) im Überblick
Beim metrischen Feingewinde gehören zu einem Nennmaß mehrere kleinere Steigungen, weshalb die Steigung in der Bezeichnung immer mitgeschrieben wird, etwa M12 × 1,5. Die folgende Tabelle zeigt die üblichen Feingewinde-Steigungen, nicht die vollständige Normtabelle. Welche im Einzelfall zulässig und sinnvoll ist, hängt vom Nennmaß und der Anwendung ab; für normkritische Bauteile ist die Kombination aus Nenndurchmesser, Steigung und Toleranzklasse gegen DIN 13-2 ff. oder die technische Zeichnung zu prüfen.
| Gewinde | Gebräuchliche Feingewinde-Steigungen P (mm) |
|---|---|
| M6 | 0,75 |
| M8 | 1,0 / 0,75 / 0,5 |
| M10 | 1,25 / 1,0 / 0,75 / 0,5 |
| M12 | 1,5 / 1,25 / 1,0 / 0,75 / 0,5 |
| M14 | 1,5 / 1,25 / 1,0 |
| M16 | 1,5 / 1,0 |
| M18 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M20 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M22 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M24 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M27 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M30 | 2,0 / 1,5 / 1,0 |
| M33 | 2,0 / 1,5 |
| M36 | 3,0 / 2,0 / 1,5 |
| M39 | 3,0 / 2,0 / 1,5 |
| M42 | 3,0 / 2,0 / 1,5 |
| M48 | 3,0 / 2,0 / 1,5 |
Weil ein Nennmaß wie M12 mehrere Feinsteigungen zulässt, ist die Bezeichnung ohne Steigungsangabe bei Feingewinden unvollständig. Eine kleinere Steigung bedeutet einen größeren Kernquerschnitt und eine geringere Gewindetiefe, was die Belastbarkeit erhöht und Bauraum spart. Bei Feingewinden klären wir die genaue Steigung vor der Fertigung mit Ihnen, da sich M12 × 1,5 und M12 × 1,25 weder im Werkzeug noch in der Gegenmutter ersetzen lassen.
Regelgewinde oder Feingewinde: Auswahl der richtigen Steigung
Die Wahl zwischen Regel- und Feinsteigung hängt von Belastung, Bauraum und Vibrationsbeanspruchung ab: feinere Steigungen vergrößern den tragenden Kernquerschnitt und können die Selbsthemmung begünstigen, gröbere Steigungen sind robuster und schneller montiert. Für die meisten allgemeinen Verschraubungen ist das Regelgewinde die richtige Wahl, weil es unempfindlicher gegen Beschädigung und Verschmutzung ist.
| Kriterium | Regelgewinde (M) | Feingewinde (MF) |
|---|---|---|
| Steigung je Nennmaß | eine genormte Steigung | mehrere kleinere Steigungen |
| Tragender Kernquerschnitt | Standard | größer |
| Gewindetiefe / Bauraum | tiefer | geringer, gut für dünnwandige oder kurze Teile |
| Steigungswinkel / Selbsthemmung | größer | kleiner, tendenziell günstiger für Selbsthemmung |
| Montage und Robustheit | schnell, gutmütig bei leichter Beschädigung | empfindlicher, sorgfältige Handhabung nötig |
| Typische Anwendung | allgemeine Befestigung | Automobil, Messtechnik, hochbelastete oder bewegte Verbindungen |
Das Feingewinde spielt seine Vorteile dort aus, wo der Bauraum knapp ist oder eine feine Zustellung pro Umdrehung gefragt ist, etwa bei dünnwandigen Rohren, kurzen Einschraublängen oder Verstelleinrichtungen. Der kleinere Steigungswinkel kann die Feineinstellung und Selbsthemmung begünstigen; die tatsächliche Losdrehsicherheit hängt jedoch zusätzlich von Vorspannkraft, Reibwert, Auflagefläche und Sicherungselementen ab. Welche Steigung für eine Verbindung die richtige ist, stimmen wir bei kritischen Bauteilen anhand von Belastung und Bauraum mit der Konstruktion ab.
Gewindesteigung messen und Verwechslungen vermeiden
Die Steigung eines unbekannten Gewindes bestimmt man am sichersten mit einer Gewindelehre, deren Steigungsschablonen direkt an das Profil angelegt werden, bis eine Schablone spielfrei passt. Ein Messschieber liefert als Kontrollwert den Abstand über mehrere Gewindegänge: misst man zum Beispiel zehn Gänge und teilt durch zehn, ergibt sich die Steigung in Millimetern. Bei kleinen Durchmessern ist die Schablone zuverlässiger, weil ein einzelner Gangabstand zu fein zum genauen Ablesen ist.

Eine angegebene Steigung bedeutet nicht automatisch ein Feingewinde. Manche Hersteller notieren auch beim Regelgewinde die Steigung, sodass M12 × 1,75 trotz der Schreibweise ein Regelgewinde bleibt. Maßgeblich ist der Abgleich mit dem genormten Regelwert aus der Tabelle: stimmt die gemessene Steigung mit dem Regelwert überein, liegt ein Regelgewinde vor; ist sie kleiner, handelt es sich um ein Feingewinde.
Auch die verbreitete Faustformel „Kernloch gleich Nenndurchmesser minus Steigung“ führt nur beim Regelgewinde zu brauchbaren Werten und wird mit steigender Steigung zunehmend ungenau. Bleibt eine Gewindeangabe unklar, verifizieren wir Reihe und Steigung vor der Fertigung mit Lehre und Probelauf, statt sie aus dem Außendurchmesser abzuleiten.
Fazit
Drei Angaben bestimmen die richtige Steigung: das Nennmaß, die Unterscheidung zwischen Regel- und Feingewinde und der Verwendungszweck der Verbindung. Das Regelgewinde deckt die meisten Standardfälle ab, das Feingewinde gewinnt bei knappem Bauraum, hoher Belastung und Vibration.
Bei dünnwandigen Drehteilen und kurzen Einschraublängen entscheidet die Wahl zwischen Regel- und Feinsteigung in der Praxis über die Zahl tragender Gewindegänge. Wir gleichen die geforderte Steigung deshalb vor der Fertigung mit der Zeichnung ab, bevor Kernloch und Werkzeug festliegen. Welche Steigung, Toleranzklasse und Gewindetiefe ein Bauteil im Einzelnen braucht, hängt von seiner Funktion ab und wird projektbezogen verifiziert.
Für eine Fertigungsanfrage genügen die Gewindebezeichnung samt Steigung (zum Beispiel M12 × 1,5), die geforderte Toleranzklasse, der Werkstoff und – bei Sacklöchern – die nutzbare Gewindetiefe; für ein belastbares Angebot ist außerdem die Stückzahl hilfreich. Senden Sie uns Ihre Zeichnung oder ein Musterteil, und wir stimmen Steigung und Ausführung vor der Fertigung mit Ihnen ab.
FAQ
Welche Steigung hat ein M12-Gewinde?
Ein M12-Regelgewinde hat eine Steigung von 1,75 mm. Als Feingewinde sind unter anderem M12 × 1,5, M12 × 1,25 und M12 × 1,0 gebräuchlich, weshalb die Steigung bei Feingewinden immer mit angegeben werden muss.
Welche Steigung haben M6, M8, M10, M16 und M20?
Als Regelgewinde hat M6 eine Steigung von 1,0 mm, M8 von 1,25 mm, M10 von 1,5 mm, M16 von 2,0 mm und M20 von 2,5 mm. Für dieselben Durchmesser existieren zusätzlich mehrere Feingewinde-Steigungen.
Was bedeutet die Gewindeangabe M10 × 1?
Die Angabe M10 × 1 bezeichnet ein metrisches Feingewinde mit 10 mm Nenndurchmesser und 1,0 mm Steigung. Das zugehörige Regelgewinde M10 hat dagegen 1,5 mm Steigung, sodass die beiden Gewinde nicht zusammenpassen.
Was ist der Unterschied zwischen Steigung und Ganghöhe?
Steigung und Ganghöhe sind bei eingängigen Gewinden identisch. Bei mehrgängigen Gewinden ist die Ganghöhe das Produkt aus Steigung und Gangzahl und beschreibt den axialen Weg pro voller Umdrehung.
Woran erkenne ich, ob eine angegebene Steigung ein Feingewinde ist?
Maßgeblich ist der Vergleich mit dem genormten Regelwert aus der Tabelle: nur eine kleinere Steigung kennzeichnet ein Feingewinde. M12 × 1,75 ist deshalb trotz der Steigungsangabe ein Regelgewinde, weil 1,75 mm dem Regelwert von M12 entspricht.
Wie misst man die Gewindesteigung?
Die Gewindesteigung misst man mit einer Steigungsschablone (Gewindelehre), die an das Profil angelegt wird. Ein Messschieber über mehrere Gewindegänge bestätigt den Wert; bei kleinen oder beschädigten Gewinden ist die Schablone oder ein Probelauf mit passender Mutter zuverlässiger als die Messung über einen einzelnen Gang.




