G, R und NPT — drei Buchstabenkombinationen, die auf Zeichnungen, Fittings und Bestelllisten auftauchen und bei falscher Zuordnung zu undichten Verbindungen oder beschädigten Gewinden führen. Dieser Artikel klärt, welches System welcher Norm folgt, wie es abdichtet und welche Kombinationen zulässig, bedingt möglich oder grundsätzlich zu vermeiden sind.
Geltungsbereich: Rohrgewinde nach ISO 228-1, ISO 7-1 / EN 10226-1, ASME B1.20.1 für NPT sowie ASME B1.20.3 für NPTF-Dryseal-Gewinde. Hydraulische Hochdruckverschraubungen mit 24°-Kegelanschluss und Schneidring nach DIN 2353 / ISO 8434-1 sowie metrische Schraubengewinde werden hier nicht behandelt — für Letztere siehe unsere Übersicht zu metrischen Gewinden.
Rohrgewinde-Nennmaß: Warum 1 Zoll nicht 25,4 mm bedeutet
Rohrgewinde sind Zollgewinde, bei denen das Nennmaß nicht dem tatsächlichen Außendurchmesser entspricht. Bei einem G 1″-Gewinde beträgt der gemessene Außendurchmesser etwa 33,2 mm — nicht 25,4 mm, wie man bei einem Zollgewinde erwarten würde.
Das Nennmaß bezieht sich auf den lichten Innendurchmesser des Rohres, für das das Gewinde ursprünglich ausgelegt wurde — nicht auf das Gewinde selbst. Wer zum ersten Mal ein Rohrgewinde vermisst und dann mit der Zollangabe abgleicht, stellt eine Abweichung fest. Das ist kein Messfehler, sondern ein Systemmerkmal aller Rohrgewindearten.
Für die Auswahl entscheidend sind nicht nur das Nennmaß, sondern die Gewindeform (zylindrisch oder kegelig) und das Dichtprinzip — beide bestimmen, welche Paarung zulässig ist und wie abgedichtet wird.
G-Gewinde nach ISO 228-1: Aufbau und Dichtprinzip
Das G-Gewinde ist ein zylindrisches Whitworth-Rohrgewinde nach ISO 228-1 mit einem Flankenwinkel von 55°. Der Außendurchmesser bleibt über die gesamte Gewindelänge konstant — das Gewinde verjüngt sich nicht.
Die Dichtigkeit entsteht beim G-Gewinde nicht im Gewinde selbst, sondern über ein externes Dichtelement: O-Ring, Flachdichtung oder Dichtfläche an der Anschlusskante. PTFE-Band kann eine unsichere Hilfsabdichtung erzeugen, ersetzt aber nicht das normgerechte Dichtprinzip. In der Praxis führt dieser Fehler zu wiederkehrenden Leckagen, die sich erst unter Betriebsdruck zeigen.
Bezeichnung: G + Nennmaß in Zoll. Innen- und Außengewinde tragen dieselbe Bezeichnung (z. B. G 1/2).
Typische Anwendungen: Pneumatik-Armaturen, Hydraulikkomponenten, Sensoranschlüsse, Industriefittings — überall dort, wo die Abdichtung über Dichtfläche oder O-Ring erfolgt.
Maßtabelle G-Gewinde (Auswahl, nach ISO 228-1)
| Nennmaß | Außendurchmesser (mm) | Steigung (Gänge/Zoll) | Steigung (mm) |
|---|---|---|---|
| G 1/8 | 9,73 | 28 | 0,907 |
| G 1/4 | 13,16 | 19 | 1,337 |
| G 3/8 | 16,66 | 19 | 1,337 |
| G 1/2 | 20,96 | 14 | 1,814 |
| G 3/4 | 26,44 | 14 | 1,814 |
| G 1 | 33,25 | 11 | 2,309 |
| G 1 1/4 | 41,91 | 11 | 2,309 |
| G 1 1/2 | 47,80 | 11 | 2,309 |
| G 2 | 59,61 | 11 | 2,309 |
Nennwerte nach ISO 228-1. Für Toleranzangaben und Passungsklassen A und B gilt die Norm direkt. Vorbohrmaße für G-Gewinde finden Sie in unserer [Kernloch-Tabelle](【待发布: Kernlochdurchmesser-Tabelle für metrische Regelgewinde】).
R-, Rp- und Rc-Gewinde nach ISO 7-1
Das R-System ist das kegelige Pendant zum G-Gewinde — ebenfalls Whitworth, ebenfalls 55° Flankenwinkel, aber mit einem Kegel von 1:16. Drei Varianten sind in der Praxis relevant:
R bezeichnet das kegelige Außengewinde. Es verjüngt sich vom freien Ende zur Einschraubseite, sodass beim Eindrehen eine zunehmende Flächenpressung zwischen den Gewindeflanken entsteht — das ist das aktive Dichtprinzip des R-Systems.
Rp bezeichnet das zylindrische Innengewinde für gewindedichtende Verbindungen nach ISO 7-1. Rp und G-Innengewinde haben dieselben Nennmaße und Steigungen, gehören aber zu unterschiedlichen Normsystemen: Rp ist für gewindedichtende Verbindungen nach ISO 7-1 vorgesehen, G nach ISO 228-1 für Verbindungen, die nicht im Gewinde selbst abdichten. Toleranz- und Lehrenmaße unterscheiden sich entsprechend — Rp und G sind nicht austauschbar.
Rc bezeichnet das kegelige Innengewinde für Paarungen mit R-Außengewinden, wenn beidseitige Konizität gefordert ist.
Die Abdichtung erfolgt im Gewinde selbst — durch den Kegel, ggf. unterstützt durch PTFE-Band oder Gewindedichtmittel.
Kombination R + G: R-Außengewinde lassen sich in viele G-Innengewinde einschrauben, weil Nenndurchmesser und Steigung im BSP-System übereinstimmen. Für druckdichte Verbindungen gilt diese Kombination aber nur dann als verwendbar, wenn der Anschluss dafür freigegeben ist und ein geeignetes Dichtmittel eingesetzt wird. Die normgerechte Paarung für gewindedichtende Verbindungen bleibt R + Rp oder R + Rc. Bei CNC-gefertigten Drehteilen legen wir den Gewindetyp vorab schriftlich fest — eine fehlende Spezifikation in der Zeichnung ist die häufigste Ursache für Fehlpaarungen auf der Baustelle.
Bezeichnung: R + Nennmaß für das kegelige Außengewinde, Rp + Nennmaß für das zylindrische Innengewinde (z. B. R 3/4, Rp 3/4).
Typische Anwendungen: Sanitärinstallation, Heizungstechnik, pneumatische und hydraulische Rohrleitungen im europäischen Raum.
NPT und NPTF: Amerikanische Kegelgewinde im Vergleich
NPT (National Pipe Taper) ist das amerikanische kegelige Rohrgewinde nach ASME B1.20.1 mit einem Flankenwinkel von 60° und einem Kegel von 1:16. Flankenwinkel und Steigung unterscheiden sich vom BSP-System — das macht NPT und BSP-Gewinde trotz ähnlicher Nennmaße inkompatibel.
NPT dichtet über die Gewindeflanken, typischerweise mit PTFE-Band oder flüssigem Gewindedichtmittel.
NPTF (National Pipe Taper Fuel, Dryseal) ist nach ASME B1.20.3 genormt. Als Dryseal-Gewinde ist es dafür ausgelegt, bei normgerechter Paarung und unbeschädigten Gewinden ohne zusätzliches Dichtmittel druckdicht zu sein. Dichtheit und Wiederverwendbarkeit hängen dabei stark von Werkstoff, Beschichtung, Montagezustand und Gewindeprüfung ab — NPTF erfordert engere Fertigungstoleranzen als Standard-NPT. Welche Oberflächenbehandlung für Anschlussteile mit NPTF-Gewinden geeignet ist, hängt vom geforderten Dichtprinzip und dem Einsatzmedium ab.
NPS (National Pipe Straight) ist die zylindrische Variante des amerikanischen Systems, selten verwendet und ohne Dichtfunktion im Gewinde.
Bezeichnung: NPT + Nennmaß (z. B. 1/2 NPT) oder mit TPI-Angabe (z. B. 1/2-14 NPT).
Maßtabelle NPT-Gewinde (Auswahl, nach ASME B1.20.1)
| Nennmaß | Außendurchmesser* (mm) | Gänge/Zoll (TPI) |
|---|---|---|
| 1/8 NPT | 10,29 | 27 |
| 1/4 NPT | 13,72 | 18 |
| 3/8 NPT | 17,13 | 18 |
| 1/2 NPT | 21,34 | 14 |
| 3/4 NPT | 26,67 | 14 |
| 1 NPT | 33,40 | 11,5 |
| 1 1/4 NPT | 42,16 | 11,5 |
| 1 1/2 NPT | 48,26 | 11,5 |
| 2 NPT | 60,33 | 11,5 |
NPT-Gewinde sind kegelig — der gemessene Außendurchmesser hängt von der Messstelle ab. Diese Tabelle dient zur Identifikation nach Nennmaß und TPI. Für Fertigung, Prüfung und Abnahme sind Lehrenmaße, L1-Einschraublänge und ASME B1.20.1 maßgeblich.
Typische Anwendungen: Maschinen aus dem nordamerikanischen Raum, Öl- und Gasinstallationen, Druckluftanlagen nach US-Standard, importierte Komponenten mit amerikanischer Normierung.
G-, R- und NPT-Gewinde im Vergleich
| Merkmal | G-Gewinde | R-Gewinde | NPT-Gewinde |
|---|---|---|---|
| Norm | ISO 228-1 | ISO 7-1 / EN 10226-1 | ASME B1.20.1 |
| Form | zylindrisch | kegelig (1:16) | kegelig (1:16) |
| Flankenwinkel | 55° | 55° | 60° |
| Dichtprinzip | extern (O-Ring / Flachdichtung) | im Gewinde (Kegel + ggf. PTFE) | im Gewinde (Kegel + PTFE / Dryseal bei NPTF nach ASME B1.20.3) |
| Kurzbezeichnung | G 1/2 | R 1/2, Rp 1/2, Rc 1/2 | 1/2-14 NPT |
| Verbreitung | Europa / weltweit | Europa / weltweit | USA, Nordamerika, Teile Asiens |
| Normgerechte Paarung | G + G | R + Rp oder R + Rc | NPT/NPTF beidseitig |

Gewindekombinationen: Was passt — und was nicht
BSP-System (G und R) und NPT-System sind trotz ähnlicher Nennmaße nicht kombinierbar. Der 5°-Unterschied im Flankenwinkel, dazu abweichende Steigungen und Toleranzlagen, verhindern eine zuverlässige Flankenanlage — auch wenn sich die Verbindung zunächst eindrehen lässt.
Normgerechte Paarungen:
- G-Außengewinde + G-Innengewinde: Standardpaarung nach ISO 228-1, Abdichtung extern
- R-Außengewinde + Rp-Innengewinde: Standardpaarung nach ISO 7-1
- R-Außengewinde + Rc-Innengewinde: kegelig/kegelig, für höhere Dichtheitsanforderungen
Bedingt mögliche Kombination:
- R-Außengewinde + G-Innengewinde: montierbar; für druckdichte Verbindungen nur bei freigegebener Spezifikation und geeignetem Dichtmittel
Nicht zulässige Kombinationen:
- NPT + G oder R: dreht sich ein, dichtet nicht, beschädigt das Gegengewinde
- NPT + BSP allgemein: neben dem Flankenwinkelunterschied können Steigung und Toleranzlage abweichen — Verbindung nicht druckdicht, Gewindeschäden möglich
Rohrgewinde in der technischen Zeichnung
Für die Fertigung reicht „1/2 Zoll Gewinde“ nicht aus. In der technischen Zeichnung legt man fest: Norm, Gewindetyp, Nennmaß und Dichtprinzip.

Korrekte Zeichnungsangaben:
- G 1/2 nach ISO 228-1 — Abdichtung über Flachdichtung oder O-Ring
- R 1/2 nach ISO 7-1 — Abdichtung im Gewinde mit geeignetem Dichtmittel
- Rp 1/2 nach ISO 7-1 — zylindrisches Innengewinde für R-Außengewinde
- 1/2-14 NPT nach ASME B1.20.1 — Abdichtung mit PTFE-Band oder Dichtmittel
- 1/2-14 NPTF nach ASME B1.20.3 — Dryseal, Abdichtung ohne Dichtmittel bei normgerechter Paarung
Bei Drehteilen aus Edelstahl legt man zusätzlich fest, ob die Gewinde mit Grenzlehre geprüft werden und ob eine Dichtheitsprüfung vorgesehen ist — insbesondere wenn die Gewindetoleranzen projektspezifisch enger gefasst sind als die Norm vorschreibt. Fehlt die Gewindetyp-Angabe, ist eine Rückfrage vor der Fertigung immer günstiger als Nacharbeit nach der Lieferung — besonders bei Anlagen mit gemischter Maschinenbasis aus europäischen und nordamerikanischen Komponenten.
Fazit
G, R und NPT unterscheiden sich in drei Punkten, die für Fertigung und Montage entscheidend sind: Normsystem (ISO vs. ASME), Gewindeform (zylindrisch vs. kegelig) und Dichtprinzip (externe Dichtfläche vs. Gewindekegel).
Aus der Fertigung wissen wir: Der häufigste Fehler passiert nicht an der Maschine, sondern in der Zeichnung. Ein G-Gewinde, das irrtümlich als R geliefert wird, dichtet unter Betriebsdruck nicht — auch wenn sich die Verbindung einwandfrei eindrehen lässt. Bei NPT-BSP-Verwechslungen kommt noch Gewindeschaden dazu. Beide Szenarien enden mit Nacharbeit, die durch eine vollständige Gewindeangabe in der Zeichnung vermeidbar gewesen wäre. Welche Materialien für CNC-gefertigte Anschlussteile geeignet sind, hängt dabei vom Einsatzmedium, Druck und Dichtanforderung ab.
Teilen Sie uns Ihre Zeichnung oder Ihre Anschlussvorgaben mit — wir klären die Gewindeausführung vor der Fertigung und nicht danach.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen G- und R-Gewinde?
G-Gewinde ist zylindrisch und dichtet nicht im Gewinde selbst — die Abdichtung erfolgt über O-Ring oder Flachdichtung an der Anschlusskante. R-Gewinde ist kegelig (Kegel 1:16) und dichtet über die zunehmende Flächenpressung im Gewinde, ggf. unterstützt durch PTFE-Band. Beide haben 55° Flankenwinkel und stammen aus dem BSP-System, gehören aber zu unterschiedlichen Normen: G nach ISO 228-1, R nach ISO 7-1.
Kann man NPT-Gewinde mit G- oder R-Gewinden kombinieren?
Nein. NPT hat einen Flankenwinkel von 60°, G und R haben 55°. Zusätzlich können Steigung und Toleranzlage abweichen. Die Verbindung kann sich einschrauben, dichtet aber nicht zuverlässig und beschädigt das Gegengewinde. Für Übergänge zwischen den Systemen sind Adapter erforderlich.
Was bedeutet „G 1/2″ — ist das der Außendurchmesser in Zoll?
Nein. Die Zollangabe ist ein historisch bedingtes Nennmaß, das sich auf den lichten Rohrdurchmesser bezieht. Der tatsächliche Außendurchmesser eines G 1/2-Gewindes beträgt ca. 20,96 mm — nicht 12,7 mm (= 1/2 Zoll × 25,4).
Was ist der Unterschied zwischen NPT und NPTF?
Beide sind kegelige amerikanische Rohrgewinde mit 60° Flankenwinkel. NPT nach ASME B1.20.1 dichtet mit PTFE-Band oder flüssigem Dichtmittel. NPTF nach ASME B1.20.3 (Dryseal) dichtet bei normgerechter Paarung ohne Dichtmittel metallisch — das erfordert engere Fertigungstoleranzen und ist für Kraftstoff- und Hydrauliksysteme ausgelegt.
Ist BSP dasselbe wie G-Gewinde?
BSP (British Standard Pipe) ist ein Oberbegriff. Innerhalb dieses Systems: BSPP (parallel) entspricht dem G-Gewinde nach ISO 228-1; BSPT (taper) entspricht dem R/Rp/Rc-System nach ISO 7-1. G ist nur die parallele Variante unter dem BSP-Dach — G und BSP sind nicht dasselbe.
Wie messe ich ein unbekanntes Rohrgewinde richtig?
Außendurchmesser allein reicht nicht — bei Rohrgewinden weicht er systematisch vom Nennmaß ab. Vorgehen: Außendurchmesser mit Messschieber messen, Steigung (TPI) mit Gewindeschablone bestimmen, prüfen ob das Gewinde kegelig oder zylindrisch verläuft, Flankenwinkel (55° oder 60°) feststellen, dann mit der Maßtabelle der infrage kommenden Norm abgleichen. Bei kritischen Anwendungen gibt eine kalibrierte Gewindelehre die zuverlässigste Aussage.
Woher erkenne ich, ob ein unbekanntes Gewinde G oder R ist?
G und R haben denselben Außendurchmesser und dieselbe Steigung. Der Unterschied liegt in der Form: R verjüngt sich sichtbar zur Einschraubseite, G hat über die Länge konstanten Durchmesser. Im Zweifelsfall gibt die Zeichnung Auskunft — eine Gewindelehre schafft Sicherheit.




